Zwölf Verletzte auf B85

Massenkarambolage mit Militärfahrzeugen im Kreis Regen: Polizei gibt Details bekannt

Zu einer Massenkarambolage ist es am Dienstagmorgen um kurz vor 8 Uhr auf der B11/85 im Landkreis Regen gekommen. Zwischen Patersdorf und Regen sind auf Höhe des Weilers Weiden (Teisnach) mehrere Fahrzeuge von der Straße abgekommen. Die Bundesstraße war bis gegen 11 Uhr komplett gesperrt. Am Mittag äußerte sich die Polizei genauer zum Hergang.

Laut ersten Erkenntnissen der Polizei vor Ort war es in der Senke in einem Waldstück zum Unfallzeitpunkt spiegelglatt. Der Lenker des ersten Fahrzeugs einer Kolonne verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, was einen Domino-Effekt auslöste. Insgesamt acht Fahrzeuge rutschten in die angrenzende Böschung, teilweise auch ineinander.

In einer Pressemitteilung von Dienstagmittag äußerte sich die Polizei genauer zum Hergang: Ein 19-jährige Hyundai-Fahrer war wegen Glätte in Fahrtrichtung Patersdorf nach rechts von der Straße abgekommen. Ein dahinter fahrender Lkw und ein Skoda kamen noch rechtzeitig zum Stehen. Ein weiterer Skoda, gelenkt von einer 43-Jährigen, rutschte allerdings ins stehende Auto.

Die vier Bundeswehr-Kleinbusse, die am Ende der Kolonne fuhren, schleuderten beim Abbremsen auf der glatten Fahrbahn ebenfalls von der Straße und kollidierten dort.

Lage vor Ort zunächst völlig unübersichtlich

Die Lage vor Ort gestaltete sich zunächst unübersichtlich, alarmiert worden war mit höchster Stufe. Weil vier der Unfallfahrzeuge zur Bundeswehr-Kaserne in Regen gehören, waren nicht nur Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit großem Aufkommen vor Ort. Aus Roding mussten zudem Feldjäger anrücken. Sie kümmerten sich für die Bundeswehr um die Aufnahme des Unfalls.

Insgesamt zwölf Personen sind laut BRK-Pressesprecher Andreas Weichselgartner bei der Karambolage verletzt worden – acht davon leicht. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Ein Patient wurde zur Sicherheit mit dem Helikopter in ein überörtliches Traumazentrum geflogen.

Keine scharfe Munition geladen

Die Feuerwehren waren mit großem Aufgebot vor Ort, kümmerten sich um eine frühzeitige Umleitung des Verkehrs. Folgende Feuerwehren waren im Einsatz: Arnetsried, Kaikenried, Linden, March, Patersdorf, Regen, Sohl, Teisnach, Triefenried und Viechtach. Kreisbrandinspektor Hermann Keilhofer war mit Unterstützung von Kreisbrandinspektor Christian Stiedl sowie der Kreisbrandmeister Michael Maimer, Alexander Iglhaut, Johann Richter, Florian Graßl, Robert König und Ludwig Sperl am Unfallort.
 

Auch Landrat Ronny Raith, selbst aktiver Feuerwehrler, war im Einsatz – und lobte in einem ersten Statement gegenüber der PNP die Ehrenamtlichen: „Es ist der Wahnsinn zu sehen, dass man selbst um kurz vor 8 Uhr, wo die meisten schon in der Arbeit sind, so viele Menschen mobilisieren kann.“ Auch er selbst habe Termine verschoben, um im Feuerwehrdienst unterstützen zu können.

Laut einem Polizeisprecher musste die Fahrbahn über Stunden komplett gesperrt werden. Durch die Beteiligung der Militär-Autos musste auch bei der Bergung zweigleisig geplant werden. Scharfe Munition war nach ersten Erkenntnissen nicht in den Fahrzeugen, die noch vor Ort ausgeräumt und in andere Fahrzeuge des Bataillons geladen wurden. Erst gegen 11 Uhr konnte die Fahrbahn wieder freigegeben werden.

Den entstandenen Sachschaden bezifferte die Polizeiinpsektion Viechtach am Dienstagmittag auf einen unteren sechsstelligen Bereich.

 

Folgebericht:

B85 stundenlang gesperrt
Karambolage in Camouflage: Wie Einsatzkräfte den Massen-Unfall im Kreis Regen managten

Nässe, Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine relativ neue Fahrbahnoberfläche – diese ungünstige Kombination hat am Dienstagmorgen auf der B85 im Gemeindebereich Teisnach zu einer Massenkarambolage geführt, wie es sie im Landkreis Regen selten gegeben hat. Auch weil vier Bundeswehr-Fahrzeuge in den Unfall involviert sind, ist der Einsatz eine besondere Herausforderung. Nicht nur Landrat Ronny Raith, selbst in Feuerwehr-Montur vor Ort, ist voll des Lobes für die Ehrenamtlichen.

Acht Fahrzeuge schleuderten auf der B85 bei Weiden im Gemeindegebiet Teisnach gegen 7.45 Uhr von der Fahrbahn – vier davon Autos der Bundeswehr. Die Bilanz: Zwölf Verletzte, ein Gesamtschaden im sechsstelligen Bereich und eine stundenlang komplett gesperrte Bundesstraße.

Es ist kurz vor 8 Uhr, als etliche Einsatzkräfte aus der Region mit der höchsten Stufe „THL 5“ alarmiert werden. Ausgegangen wird von einem „Massenanfall Verletzter“. Alleine das Bayerische Rote Kreuz schickt 35 Einsatzkräfte an den Unfallort, neun Feuerwehren sind unterwegs, weitere Kräfte regeln indes den Verkehr zwischen Patersdorf und March, leiten weiträumig um.

Fahrbahn erst im September erneuert

Vor Ort gestaltet sich die Lage erst einmal unübersichtlich. Acht Fahrzeuge stehen wild verstreut in einer verschneiten Wiese neben der Fahrbahn. Einige von ihnen sind ineinander gerutscht. Schnell ist klar: Hier ist niemand wirklich schuld am Chaos. „Bei meiner Anfahrt war es spiegelglatt“, sagt Kreisbrandrat Hermann Keilhofer am Rande des Einsatzes. Die Ursache bestätigt später auch die Polizei in einer Mitteilung. Ein 19-Jähriger Hyundai-Fahrer habe in Fahrtrichtung Patersdorf glättebedingt die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und damit eine Kettenreaktion ausgelöst. An deren Ende: vier Neunsitzer der Bundeswehr-Kaserne in Regen.

Neben den Temperaturen und der Nässe dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die Fahrbahn an dieser Stelle erst im September erneuert worden und entsprechend rutschig war. Die Kurve in einer Senke gilt vielen Autofahrern aus der Region ganzjährig als Gefahrenstelle.

Während sich die Feuerwehr einen Überblick über die Situation verschafft, versorgen Sanitäter die Verletzen – von insgesamt zwölf wird BRK-Pressesprecher Andreas Weichselgartner später berichten.
 

Zusammenarbeit „reibungslos und hochprofessionell“

Schnell wird klar, immerhin: Viele Verletzungen sind leicht, nur manche mittelschwer. Eine Person wird vom Hubschrauber vorsorglich in ein Traumazentrum geflogen. Alle anderen Patienten werden auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt. „Ein großes Dankeschön gilt den engagierten Ersthelfern, die bis zum Eintreffen der Profis wichtige Hilfe geleistet haben“, lässt Einsatzleiter Christian Aulinger ausrichten. Die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen sei „reibungslos und hochprofessionell“ verlaufen. Das bestätigt auch KBR Keilhofer.

Nach einer halben Stunde kehrt langsam etwas Ordnung ein ins anfängliche Chaos. Die Polizei dokumentiert die Schäden, die Feuerwehr koordiniert die Bergung. Vor Ort ist auch Landrat Ronny Raith, selbst aktiver Feuerwehrler in Kirchberg. Ihn beeindruckt vor allem, wie auch bei einem solch außergewöhnlichen Ereignis jedes Rad ineinander greift: „Ein Wahnsinn“ sei es, sagt er, „dass man auch zu einer Zeit, zu der viele gerade mit der Arbeit anfangen, so viele Ehrenamtliche so schnell auf die Straße bringt.“

Überhaupt sei der Vorfall einer von jenen, die es – „zum Glück“ – nur alle paar Jahre gebe, sagt Raith. Er sei ja nun auch immerhin schon 30 Jahre aktiver Feuerwehrler.
 

Gewehre und Munition werden ausgeladen

Besonders macht den Einsatz auch die Tatsache, dass Bundeswehr-Fahrzeuge in den Unfall verwickelt waren. So müssen zur Dokumentation und Koordination zusätzlich die Feldjäger aus Roding angefordert werden. Wohin die Soldaten am Morgen unterwegs waren, war nicht abschließend aufzuklären. Eine PNP-Anfrage ans Bataillon in Regen blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Vor Ort entladen die Soldaten die Fahrzeuge – auch Gewehre und Munition sind augenscheinlich dabei.

Es ist kurz vor Mittag, als die Bundesstraße wieder für den Verkehr freigegeben wird, zuletzt war noch eines der Bundeswehr-Fahrzeuge geborgen worden. Den Gesamtschaden beziffert die Polizei auf einen niedrigen sechsstelligen Betrag.

Text und Foto: pnp-vbb Alexander Augustin.

Anmerkung: Unsere Fahrzeuge wurden zur Verkehrslenkung an der Einsatzstelle und am Kreisverkehr Patersdorf eingesetzt.


Einsatzart Technische Hilfeleistung
Alarmierung VU/Person eingeklemmt(Massenkarambolage)
Einsatzstart 27. Januar 2026 07:54
Mannschaftstärke 15
Einsatzdauer 5 Std.
Fahrzeuge Mannschaftstransportwagen
Löschgruppenfahrzeug
Gerätewagen Logistik