Unwetterfront ab Mitternacht

Auf die Feuerwehren war Verlass

Unwetterschäden: In mehreren Gemeinden hatten die Einsatzkräfte die ganze Nacht zu tun

Ruhmannsfelden/Teisnach. "Ich bin seit 27 Jahren Kommandant der Feuerwehr, aber so etwas wie heute Nacht habe ich noch nicht erlebt", sagte der erste Kommandant der Ruhmannsfeldener Feuerwehr über die Gewitternacht auf den 22.Juni. Am Montagabend ging der erste Alarm um 23.42Uhr ein. Dann ging es rasend schnell weiter mit Hilferufen. Nach massiven Niederschlägen waren Gewässer über die Ufer getreten und wurden Straßen und Keller geflutet. Schließlich standen alleine in Ruhmannsfelden 30 Alarmierungen auf der Liste, die nach Eingang abgearbeitet wurden bis zum Morgen.

Ins Bett kam keiner der Feuerwehrler und ein Ende war auch noch nicht in Sicht, als es wieder hell wurde, denn es gingen immer noch Hilferufe ein wegen Überschwemmung von Kellern und Wohnungen, so dass Kommandant Edenhofer noch zweimal nachalarmieren und weitere Einsatzkräfte fordern musste, um die anstehenden Einsätze abzuarbeiten.

Rudi Edenhofer hatte in der Nacht die Feuerwehren, Achslach, Bergern, Gotteszell und Lämmersdorf zur Verstärkung rufen lassen, obwohl die Ruhmannsfeldener Wehr mit allem zur Verfügung stehendem Personal und Autos vor Ort war. Unterstützt in der Einsatzleitung wurde der erste Kommandant von seinem Stellvertreter Hansi Schweiger und Kreisbrandmeister Thomas Märcz.

Mit 26 Frauen und Männern war auch der Teisnacher Kommandant Sandro Plötz pausenlos im Einsatz, als etwa ab Mitternacht die Alarme der Integrierten Leitstelle (ILS) nur so hereinbrachen. Es galt mehrere überflutete Keller leerzupumpen, ebenso eine Industriehalle und einige Straßenabschnitte, bei denen das Wasser nur so aus den Gullys schoss.

Am spektakulärsten war der Alarm über einen in der Teisnach treibenden VW Sharan. Der Wagen war laut Polizeiangaben in der Nähe ordnungsgemäß abgestellt und gegen Mitternacht von den Wassermassen mitgenommen worden. Er landete schließlich in der Teisnach, wo er sich zwischen Bäumen verkeilte. Das Fahrzeug konnte erst am Dienstagvormittag mit großem Aufwand geborgen werden.

Kommandant Sandro Plötz schildert diesen Einsatz als besonders dramatisch, denn anfangs sei nicht klar gewesen, ob sich nicht Personen darin befinden würden. Erst im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass der VW unbesetzt war. Auch nachdem die Lage in Teisnach einigermaßen unter Kontrolle war, konnten die Feuerwehrleute nicht in ihr Bett. Sie wurden als Verstärkung in Bodenmais gebraucht, wo das Unwetter besonders stark gewütet hat (siehe Lokalteil Regen in der heutigen Ausgabe des Bayerwald-Boten).

Die Polizeiinspektion Viechtach berichtete am Dienstagmittag von weiteren Einsätzen im Bereich Zachenberg, Patersdorf und Böbrach, die jedoch glimpflicher verliefen als in den Nachbarorten.

Text: pnp/Isolde Deiser und Jörg Klotzek

 

Anmerkung:

Im Einsatzgebiet der FF Patersdorf sind ca. 15 Einsätze angefallen. Schwerpunkte waren die Bereiche Wildtier, Prünst, Schönberg und die Ortsdurchfahrt ST2136.
Die Kameraden der FF Linden unterstützten uns beim Kellerauspumpen und abgebrochen Äste und entwurzelte Bäume zu beseitigen.
Die Ortsdurchfahrt ST2136 wurde am Ortsausgang Richtung Teisnach mit Geröll überspült, hier unterstützte uns der Bauhof Patersdorf mit ihrem Radlader.


Einsatzart Technische Hilfeleistung
Alarmierung THL/Unwetter
Einsatzstart 21. Juni 2021 23:47
Mannschaftstärke 15
Einsatzdauer 4 Std.
Fahrzeuge Mannschaftstransportwagen
Versorgungsfahrzeug
Löschgruppenfahrzeug
Alarmierte Einheiten FF Patersdorf